Zehn Globale Trends im Schatten der Weltfinanzkrise
Die internationale Politik wird aktuell stark von den Auswirkungen der Weltfinanzkrise beeinflusst. Gerade in einer Zeit, in der ein einzelnes Thema so prominent im Vordergrund steht, macht die aktuelle Ausgabe der Globalen Trends auf längerfristige Entwicklungen aufmerksam, die ebenfalls einen Einfluss auf Wohlfahrt, Sicherheit sowie Partizipations- und Überlebenschancen der Menschheit haben bzw. zukünftig verstärkt haben werden.
Klicken Sie sich durch zehn Trends, die die Weltpolitik künftig prägen werden.
- Trend 1: Weltfinanzkrise
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- Die Weltfinanzkrise wirft gerade im Bereich sozioökonomischer Entwicklung große Teile der Welt zurück; neoliberale Paradigmen dürften damit endgültig ausgedient haben.
- Die wirtschaftlichen Folgen sind nicht nur in den reichen Volkswirtschaften, sondern auch in den vom Außenhandel (v.a. Rohstoffe) und von ausländischen Kapitalzuflüssen besonders abhängigen Entwicklungsökonomien spürbar.
- In den letzten Jahren erzielte wirtschaftliche Fortschritte, insbesondere in Afrika, drohen zunichte gemacht zu werden.
- Der Aufstieg vieler Schwellenländer wird für eine Übergangsphase abgeschwächt, gleichzeitig wächst ihre Bedeutung als neuer weltwirtschaftlicher Motor.
- Trend 2: Ende des G7/8‐Monopols
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- Die Weltfinanz- und Weltwirtschaftskrise hat das Monopol der G7/8 auf exklusive Club-Herrschaft endgültig diskreditiert.
- Die Rückkehr stärker multilateraler Ansätze wird dokumentiert in der Übernahme zentraler Konsultations- und mitunter auch Steuerungsfunktionen durch die G20.
Beitrag Nuscheler / Messner
- Trend 3: Klimawandel
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- Der Klimawandel ist zum wichtigsten Treiber globaler Umweltveränderungen mit weitreichenden Auswirkungen auf Gesellschaften, Ökonomien und das internationale System geworden.
- Die Folge werden – gerade in den verwundbaren Weltregionen – neue Konfliktkonstellationen sein, die sich aus Ernährungskrisen, Süßwasserknappheit, Sturm- und Flutkatastrophen sowie krisenbedingter Migration ergeben.
Beitrag Messner / Rahmstorf
- Trend 4: Aufrüstung und fragile Staatlichkeit
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Das Politikfeld Sicherheit ist von wechselnden und zum Teil
widersprüchlichen Trends geprägt:
- Kriegerische Gewaltkonflikte sind seit 1993 rückläufig.
- Zugleich leiden zahlreiche Länder weiterhin unter sporadischer Gewaltanwendung und sind von fragiler Staatlichkeit betroffen; dies gilt in besonderem Maße für Subsahara-Afrika.
- Parallel ist seit Ende der 1990er Jahre ein Jahrzehnt der Aufrüstung zu beobachten.
- Die multilaterale Rüstungskontrolle befindet sich in der Krise, eine weitere Proliferation von Nuklearwaffen ist wahrscheinlich.
- Trend 5: Religiöser Faktor
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- Im Westen lange unterschätzt wurde die Bedeutung des religiösen Faktors in den inter-und transnationalen Beziehungen.
- Gerade in der Disziplin der „Internationalen Beziehungen“ wurden die Ausübung von Macht sowie die Bereitschaft zur Kooperation häufig aus rationalen Kalkülen eines homo oeconomicus abgeleitet.
- Demgegenüber zeigten bereits die Machtübernahme von Ajatollah Chomeini im Iran 1979 und die Beendigung der sowjetischen Besetzung Afghanistans durch Mudschaheddin-Kämpfer, dass Weltpolitik auch maßgeblich von politisch-religiösen Identitäten und Ideologien bestimmt ist.
- Trend 6: Urbanisierung
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- Der Prozess der Urbanisierung schreitet kontinuierlich voran.
- Seit 2007 leben mehr Menschen weltweit in Städten als auf dem Land, wobei das Städtewachstum v.a. in den Schwellen-und Entwicklungsländern stattfindet.
- Eine besondere Herausforderung stellt die Herausbildung von Megastädten dar, von denen die meisten in Entwicklungsländern liegen.
- Trend 7: Migration
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- Die Zahl internationaler Migranten hat sich seit 1960 verdreifacht.
- Auch wenn ihr Anteil an der Weltbevölkerung im Wesentlichen stabil ist, so nimmt doch das relative Gewicht von Migranten in den „überalternden“ Industriegesellschaften zu.
- Migration ist der zentrale menschliche Faktor transnationaler Globalisierung und bekommt angesichts des deutlich steigenden Frauenanteils verstärkt auch ein „weibliches Gesicht“.
- Zugleich ist als Schattenseite der Globalisierung human trafficking, der Menschenhandel, zum Milliardengeschäft geworden.
- Trend 8: Ungleiche Lebenschancen
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- Die „Lebenschancen“ zwischen und innerhalb einzelner Weltregionen und Gesellschaften bleiben extrem ungleich oder entwickeln sich noch weiter auseinander.
- Insbesondere Subsahara-Afrika fällt weiter zurück; hier hat sich entgegen dem globalen Trend die Lebenserwartung verringert, ebenso wie in Südasien werden etwa die Gesundheits-MDGs nicht erreicht werden.
- Im Gegensatz dazu steht Ostasien als „Gewinnerregion“ da – allerdings begleitet von einer wachsenden sozialen Polarisierung.
- Trend 9: Internationalisierung von Wissenschaft/Technologie
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- Wissenschaftlich-technologischer Fortschritt wird zunehmend international organisiert.
- Dies ist Ausdruck einer wachsenden Offenheit der Märkte wie auch eine Reaktion auf globale Probleme.
- Schwierig bleiben die Interessengegensätze bei der Regelung des Schutzes geistiger Eigentumsrechte.
Beitrag Altenburg / Rennkamp
- Trend 10: Neue Governance-Mechanismen
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- Die hierarchisch organisierte Steuerung von Global Governance wird in wachsendem Maße durch neue horizontale Governance-Mechanismen ergänzt und bisweilen gar ersetzt.
- Diese können exklusiv oder inklusiv, d.h. auf die selektive oder umfassende Teilhabe unterschiedlicher Akteure angelegt sein.
- Sie ermöglichen häufig dort eine Problemregelung, wo multilaterale Prozesse blockiert und hegemoniale Ansätze zum Scheitern verurteilt sind.
- Allerdings sind sie kein Allheilmittel: Für kohärentes Vorgehen und einen legitimen Handlungsrahmen bleiben multilaterale Ordnungsstrukturen unverzichtbar.
Beitrag Debiel / Roth / Ulbert